Prolog

Erschaffe einen Ort. Und erst, wenn dieser Ort erschaffen ist, kann diese Geschichte ihr Ende finden. Wenn sie denn zu ihrem Ende gelangt sein wird, werde ich, Luigi Piemonte, nicht mehr auf dieser Welt verweilen. Lange genug schon war ich hier. Viel länger, als Menschen von gewöhnlicher Geburt, wie auch ich es bin, vergönnt ist auf dieser Welt zu verweilen.

Diese Geschichte, die vom Bau des Petersdoms zu Rom erzählt, wird Piemonte nicht aus seiner persönlichen Sicht schreiben. Nicht nur weil er weiß, dass das Ende der Geschichte auch sein eigenes Ende sein wird, sondern weil er selber sie kaum glauben kann. Luigi Piemonte soll der Mensch sein, der mit einer so großen Aufgabe betraut ward?  Ein Mensch von kleinem Wuchs und eher schmächtigem Körper, mit Geistesgaben, die er selber nur als durchschnittlich bemisst, einem Gesicht, geprägt durch meist hängende Augenlider und eine etwas zu große Nase, einem Gesicht das ihn schon in jungen Jahren nie hat jung aussehen lassen? Nicht dieser Luigi Piemonte wird seine Geschichte erzählen, sondern ein Erzähler der als guter Bekannter sein Leben bis zu seinem Ende begleiten durfte. Besser noch, als wär‘s sein Bruder. Wie unter Brüdern üblich, mit einer Vielzahl von Ähnlichkeiten und Unterschieden, was beide sowohl vereint als auch trennt.

Bedarf es nun überhaupt dieser Erläuterungen? Denn hierzu müsste die Absicht gewesen sein diese Geschichte niederzuschreiben, um sie ausdrücklich Lesern zur Kenntnis zu bringen. Doch so verhält es sich nicht. Stattdessen ist diese Aufzeichnung eher ein Versuch, viele Unbegreiflichkeiten durch die geschriebene Form begreifbarer zu machen. Wenngleich, vielfältig genug scheinen die Zeiten, dass die Umstände es mit sich bringen, diese Aufschreibungen dereinst in fremden Händen zu finden.

 

Aktuelles

Buchpräsentation "Ein Meer aus Zeit", am 11.1.2016, im Kunstverein Bad Godesberg
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© Jürgen Laue